Fehlerkultur als Brems- oder Gaspedal

Bewusster handeln und wirksamer führen - Anregungen zu Reflexionen von Christina Wanke, 14.7.2016

Fehler passieren uns allen. Wie aber reagieren wir darauf? Diese Frage ist insbesondere in der Führung ganz zentral. Slogans  wie ‚Hier darf man Fehler machen’ sind dabei meines Erachtens eine riskante Vereinfachung. Wenn ich in ein Flugzeug steige oder in die Klinik muss, würde mich eine Aussage wie ‚wir haben hier eine ausgeprägte Fehlerkultur’ wenig begeistern. Es lohnt sich deshalb, das Thema im Kontext von Führung und Performance differenzierter anzugehen. 

 

OOPS!  - ein misslungener Versuch auf dem Weg zum Erfolg

Ohne Fehler kann nichts neues geschaffen werden. Ein Versuch ist immer auch ein erster Schritt zum potenziellen Scheitern. Wenn es um Innovationen jeglicher Art geht, sind Fehler ein zwingender Bestandteil auf dem Weg zum Erfolg.

Hier haben sich folgende Spielregeln bewährt:

  • 20 Prozent Problem, 80 Prozent Lösung: Wann immer etwas schief gelaufen ist, verwenden Sie 20 Prozent ihrer Zeit und Energie für das Problem, und die restlichen 80 Prozent für die Lösung! Diese Spielregel lässt sich in der Führungsrolle wunderbar anwenden, indem Sie sehr zügig die Frage nach Lösungen stellen: "Ich verstehe die Situation - hast du eine Idee, wie wir nun weiter fahren?" Bei komplelxen Problem kann dies auch heissen, tiefer nach den Ursachen zu forschen, um keine Symptombehandlung zu machen. Aber auch dieser Schritt ist ein erster konstruktiver Schritt Richtung Lösung. 
  • "Weshalb?" statt "Wer?’": Wir haben den Reflex, nach dem ‚Wer’ zu fragen. Implizit suchen wir damit nach dem Schuldigen. Diese Haltung verursacht Blockaden und Ängste, also das Gegenteil von Motivation oder Kreativität. Daraus resultiert eine Denkhaltung von „ich mache lieber nichts, dann mache ich keine Fehler“. Damit verursachen Sie bewusst oder unbewusst Trägheit und Stillstand, also die zynisch als Mikado bezeichnete Kultur „wer sich zuerst bewegt, hat verloren". Viel konstruktiver ist es demzufolge, nach dem ‚Weshalb’ zu fragen uns damit nach den Usachen für den Fehler zu suchen mit dem Ziel, diese künftig zu vermeiden. 
  • Das Disaster verhindern: Probleme auf den Tisch bringen. Gerade im Bereich des Projektmanagements kann es verheerend sein, wenn Fehler vertuscht und zu spät aufgedeckt werden. Nur wenn Probleme auf den Tisch kommen, können wir eine Lösung finden. Was zu einem frühen Zeitpunkt noch lösbar gewesen wäre, führt später zum totalen Misserfolg. Deshalb gilt: von Ihrer Reaktion hängt es weitgehend ab, ob Mitarbeitende den Mut haben, Schwieriges frühzeitig und offen anzusprechen.

Nullfehlertoleranz klar definieren

In Umgebungen, wo es um Präzision und die damit verbundenen hohen Risiken geht, haben Fehler schlicht keinen Platz. Hier geht es proaktives Handeln, um Checklisten, Vieraugenprinzip oder Kontrollen, damit Fehler gar nicht erst passieren können oder auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Ich denke hier beispielsweise an Abläufe in der Flugabfertigung. Dieses Faktoren müssen entsprechen klar benannt und das Bewusstsein bei den Mitarbeitenden geschaffen werden.

Mein eigener Umgang mit Fehlern – das A und O der Resilienz

Was oft unterschätzt wird, ist die eigene Reaktion auf ein Misslingen. Die Umgebung mag vielleicht noch tolerant sein, aber der oder die Betroffene selbst geht hart mit sich ins Gericht. Ich staune immer wieder, wie viele Perfektionisten es gibt, die sich selbst keinerlei Fehler erlauben. Die Fähigkeit, ein ‚Stehaufmännchen’ zu sein, um im Falle eine Misslingens schnell wieder nach vorne zu schauen, ist ein ganz wichtiger Teil der Resilienz und letztlich auch einer erfolgreichen beruflichen und persönlichen Entwicklung.

In unseren Leadership Coachings und Teamentwicklungen befassen wir uns systematisch mit dieser Thematik. Wenn Sie mehr erfahren möchten, kontaktieren Sie uns unverbindlich