Facilitation und Sitzungskultur: beliebte Routinen für (un)produktive Meetings

Mit einfachen Interventionen den Wirkungsgrad im Team erhöhen - von Christina Wanke, 4. August 2015
Facilitation und Sitzungskultur: beliebte Routinen für (un)produktive Meetings

Vor kurzem habe ich mit einem Kunden eine Analyse seiner Arbeitszeit durchgeführt. Über 50% seiner Zeit verbringt er wöchentlich in fix geplanten Meetings - keine Seltenheit auf der Führungsetage. Wenn wir mit dieser Zeit optimlal umgehen, hat dies entsprechend grosse Auswirkungen auf die Performance. Sie können nicht alle Meetings selbst gestalten. Dort aber, wo Sie Einfluss nehmen können, achten Sie doch einmal bewusst auf die Qualität des Austausches. Welche der folgenden kommunikativen Routinen hätten bei Ihnen das Potenzial für Verbesserungen?

Bevor man etwas verändert ist es oft hilfreich, einfach mal hinzuschauen und bewusst zu beobachten. Um so dem Wesentlichen auf die Spur zu kommen und dann am richtigen Ort mit der Lösung anzusetzen. Achten Sie doch bei einem Ihrer nächsten Meetings einfach einmal darauf, ob Sie eine der nachfolgend beschriebenen Routinen erkennen können. Welche Kommunikationsform herrscht vor? Passt diese zur Thematik? Werden dadurch innert nützlicher Frist Ergebnisse erreicht? 

‚Downloading’ und ‚Dumping’ - Unterbrechungen sind nicht erwünscht...

Dies dürfte die häufigste Form sein: aus der eigene Position und Rolle heraus wird die eigene Sichtweise und Story vorgetragen. Im Kern ist diese Art defensiv, den nach andern Meinungen oder Beiträgen wird gar nicht erst gefragt. Wer interveniert, stört erst einmal. Hier stellt sich berechtig die Frage: Welches ist der Mehrwert?

Debatte - Schlag auf Schlag

Nicht umsonst steckt in diesem Wort aus dem englischen der Ursprung ‚battle’. Hier geht es auf die Person, es wird mit Worten gekämpft, ein rationaler Schlagabtausch zwischen festen Positionen. Urteile und Interpretationen werden ins Feld geführt. Im wahrsten Sinne des Worte werden ‚Stand’-Punkte vertreten, keiner weicht von seiner Stelle. Die Frage ist: Wer gewinnt? Wer verliert?

Diskussion und Sach-Dialog - gemeinsam von gut zu besser

Hier besteht die Bereitschaft, die eigene Position zugunsten einer besseren Lösung zu verlassen. Die Teamkollegen oder der Chef werden wertschätzend herausfordert. Man argumentiert vorwiegend im Sinne der Sache und macht von der Grundhaltung her die kollektive Intelligenz nutzbar. Nicht ‚wer hat Recht’ steht im Vordergrund, sondern ‚welches ist die beste Lösung’.

Reflektiver Dialog - wirksame Zusammenarbeit, Verhaltensweisen, Einstellungen

Dies ist eine höchst wirksame und gleichzeitig auch anspruchsvolle Form des Dialoges. Es geht nicht nur um die Sache, sondern auch um das Gegenüber. Entsprechend geht es um empathisches Zuhören, um selbstkritische Offenheit im Austausch auch in Bezug auf eigene Wahrnehmungen und Urteile. Was löst mein eigenes Handeln bei andern Teammitgliedern aus? Gemeinsam wird reflektiert, gelernt, verbessert, über die Sache hinaus auch in der Beziehung und im Verhalten.

In der Rolle des Facilitators haben Sie die Möglichkeit, die Kommunikationsform zu gestalten und damit die Produktivität des Austausches und des Meetings insgesamt wesentlich zu beeinflussen. Wir beraten Sie gerne und zeigen Ihnen Möglichkeiten auf, wie Facilitating in der Führungsrolle zu einem Erfolgsfaktor wird.